DER AUTOMOBILE

Michael Stieglitz

In der Nähe von Stuttgart hat sich Autofan und Modellbahner Michael Stieglitz der Herausforderung gestellt, eine kompakte Anlage auf kleinem Raum zu bauen. Hat sie sogar das Zeug zum Modell der Zukunft?

Das Eisenbahnfieber packte den kleinen Micha in den 90er und 00er Jahren, als er mit seinen Eltern vorweihnachtliche Modellbahnausstellungen im heimischen Wolfsburg besuchte. Da er von dieser Welt der Miniaturen so begeistert war, bekam er eine Bodenbahn zu Weihnachten geschenkt. Übrigens haben es einige der damaligen Gleisteile in die aktuelle Anlage geschafft.

Dann kam – wie bei so vielen – eine Pause im Modellbahnhobby, es folgte ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und ein Umzug nach Stuttgart. Eines Tages fiel Micha im Bahnhofskiosk ein Märklin-Magazin in die Hände. Dort wurde für die Märklin-Tage und die gleichzeitig stattfindende Internationale Modellbahnausstellung im nahegelegenen Göppingen geworben.

„Im Laufe dieser in meinen Augen wirklich gelungenen Veranstaltung hat mich das Modellbaufieber wieder gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Der Wunsch nach einer eigenen kleinen Anlage in der Wohnung wurde in Göppingen entfacht.“

Raumwunder gesucht

Nicht jeder verfügt über einen geräumigen Hobbykeller oder Dachboden. Micha will zeigen, dass man den Traum einer eigenen Anlage nicht aus Raumgründen aufgeben muss und man auch attraktive kompakte Varianten bauen kann. Nach längerer Zeit der Planung und Materialbeschaffung definierte er die Größe seiner Anlage mit 2,60 m × 1,40 m, nicht gerade üppig für den Maßstab H0 1:87. Michas Ziel war es dennoch, trotz beengter Platzverhältnisse einen interessanten und abwechslungsreichen Gleisplan samt Schattenbahnhof zu realisieren. Und die Anlage sollte teilbar und damit umzugsfähig sein.

Anlagenbau vernetzt

Die Verkabelung der Bahnhofsebene ist gerade abgeschlossen, die Anschlüsse der Weichenantriebe sowie der Kontakt- und Rückmeldegleise erfüllen nun die Voraussetzungen für einen Automatikbetrieb mit PC-Software. Wichtig wird nun auch die Landschaftsgestaltung, um Farbe ins Spiel zu bringen.

Micha investiert derzeit 8 bis 10 Stunden pro Woche in sein Hobby, darüber hinaus ist er gut vernetzt mit der Modellbauer-Community und tauscht sich dort aus. Außerdem produziert er Bilder und Videos für seine Kanäle auf Instagram, YouTube und TikTok. Den Fortschritt seiner Anlage dokumentiert er in YouTube-Tutorials und zeigt dort Tipps und Tricks.

Die Modellbahn von morgen?

Micha wagt einen Blick in die Zukunft und deutet auf hohe Mieten hin, begrenzten Platz, aber auch auf steigende Preise bei nur gering wachsendem Lohnniveau. Hier spricht der Wirtschaftswissenschaftler. Langfristig sieht er einen Trend hin zu kleineren Anlagen, gewissermaßen das Tiny House für Modellbahner. Attraktiv seien sie neben geringeren Kosten und Platzbedarf außerdem, weil Fortschritte schneller sichtbar seien und man nicht jahrelang bauen müsse, um die Bahn fahren lassen zu können. Man wird sehen, welche Richtung die Modellbauszene einschlagen wird.